Internationales Vierländertreffen der Zugbegleiter in Wien
Medienstelle ZPV : Vom 12. – 14. Oktober 2026 waren die delegierten Zugbegleiter:innen der Länder Deutschland, Luxemburg und Schweiz in Wien zu Gast bei den österreichischen Kollegen und Kolleginnen, von denen wir sehr herzlich empfangen wurden.

Unter Berufskollegen und -kolleginnen ist der Austausch einfach, denn man weiss sofort, wovon die anderen sprechen. Schnell stellte sich heraus, dass es nicht nur in der Schweiz künftig immer mehr in Richtung kondukteurlosem Betrieb (KlB) zu gehen droht, sondern genauso in den anderen Ländern. Jede Eisenbahnunternehmung versucht auf ihre Weise, die Abfahrtszeit zu verkürzen, doch nicht jede Idee ist im Endeffekt auch praktikabel. So fragt es sich, ob es zielführend ist, die Signale nicht mehr beachten zu dürfen und die Einstiegstüren auf Abfahrtszeit zu schliessen, obwohl das Signal noch geschlossen ist. In einem anderen Land kann die Abfahrerlaubnis bereits gegeben werden, obwohl das Signal noch geschlossen ist, was in der Vergangenheit beim Lokpersonal bereits zu Signalfällen geführt hat. Desolater Zustand vom Wagenmaterial ist ein weiterer kritischer Punkt, welcher uns Sorgen bereitet. In allen vier Ländern wehrt man sich deshalb vehement dagegen, dass immer mehr und immer längere Züge ohne Zugpersonal gefahren werden.
Ein weiteres Thema, welches uns alle beschäftigt, ist die zunehmende Gewalt gegen das Personal im öffentlichen Verkehr, welches den Einsatz von Bodycams notwendig macht. In Luxemburg, Österreich und der Schweiz wird immer noch darüber debattiert, ob diese zugelassen werden soll. In Deutschland wurde sie hingegen bereits eingeführt - sowohl im Regional- wie auch im Fernverkehr. Bisher läuft sie zwar noch ohne Ton, doch soll sich dies künftig wohl bald ändern. Die Abklärungen dazu laufen noch. Vor dem ersten Einsatz wird das Zugpersonal der DB mit einer Schulung instruiert, welche zwischen vier Stunden und einem Tag dauert. Im Falle eines Einsatzes wird der Reisende darüber informiert, dass die Kamera nun gestartet wird, und die Aufnahmen dürfen vor Gericht verwendet werden. Die Erfahrung zeigt, dass die Bodycam deeskalierend wirkt. Es bleibt also zu hoffen, dass deren Einsatz in nicht allzu ferner Zeit auch in der Schweiz und den anderen Ländern zugelassen wird.
In Österreich müsste ein Zug nach 30 Minuten Stillstand im Tunnel evakuiert werden. Leider wurde bisher versäumt, das Zugpersonal dahingehend regelmässig zu schulen. Da die dortige Feuerwehr über einen entsprechenden Schulungstunnel verfügt, wird nun verhandelt, ob man diesen ebenfalls zu Schulungszwecken für das Zugpersonal verwenden könnte.
Spannend sind die grossen Unterschiede der periodischen Prüfungen. Während wir in der Schweiz alle fünf Jahre einen ausführlichen Test am Computer plus die Sprachprüfungen absolvieren müssen, wird das Zugpersonal in einem anderen Land alle zwei Jahre mündlich und schriftlich geprüft, in einem weiteren reichen hingegen je ein tarifarischer und ein fahrdienstlicher Weiterbildungstag mit einer kurzen Lernerfolgskontrolle zum Abschluss. Das Spektrum könnte kaum grösser sein.
Mit Erstaunen erfuhren wir, dass die Kolleginnen und Kollegen aus den Nachbarstaaten für jede Nacherhebung der Fahrpreise – egal ob im direkten Verkauf, oder im Nachgang via Einnahmecenter einkassiert – finanziell belohnt wird. Das nennen wir Wertschätzung des Personals.
Eine interessante Frage wurde in den Raum gestellt: Wie seht ihr euch in Zukunft? Wird sich unser Berufsbild verändern? Wir spüren es alle: Unser Berufsbild ändert sich laufend, sei dies aufgrund von modernerem Wagenmaterial, neuen technischen Errungenschaften, neuem Personal, welches unter anderen Voraussetzungen eingestellt wird, sodass es z.B. lediglich für die Kontrolle geschult wird, oder weil der Spardruck so gross ist, dass nicht mehr all unsere Tätigkeiten in gleichem Umfang ausgeführt werden können.

Nebst dem regen gewerkschaftlichen Austausch wurde unser Treffen umrahmt von einem Besuch im Prater, einer Führung durch das Schloss Schönbrunn sowie dessen prächtigem Schlossgarten und abgerundet durch kulinarische Köstlichkeiten aus der österreichischen Küche. Ein herzliches Dankeschön geht an unsere Kolleginnen und Kollegen der Gewerkschaft VIDA, welche dieses tolle Treffen organisiert haben. Wir hoffen auf ein Wiedersehen am nächsten Treffen 2027 in der Schweiz.